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    Eine deutsch-polnische Schreibwerkstatt auf der LOVIS (11.-18.09.2011)

    Als eine 23-köpfige deutsch-polnische Schreibwerkstatt schipperten und schrieben wir uns durch die Wellen von Greifswald nach Szczecin (Stettin) und zurück und erlebten dabei eine tolle abwechslungsreiche Woche.

    Mit perfektem Segelwind von bis zu sieben Windstärken führte unsere Reise durch den Greifswalder Bodden bis zur einsamen Insel Ruden, dann weiter nach Usedom bis Świnoujście (Swinemünde) und schließlich durchs Stettiner Haff die Oder hinauf bis nach Szczecin. Auf dem Fluss und immer noch unter Segeln konnten wir entlang der naturbelassenen Ufer Kormorane und sogar Seeadler beobachten, bis die stettiner Werft- und Hafenanlagen mit ihrer beeindruckenden Industrielandschaft die Naturidylle ablöste.

    Zwischen den Manövern, dem Segelsetzen und Bergen fanden wir viel Zeit zum Lesen und Schreiben – manchmal in Gruppen und manchmal allein. Vier auf die Woche verteilte Workshops zum kreativen Schreiben gaben Anregungen, die von wortspielerischen Übungen mit Fremd- und Muttersprache über Formen schriftstellerischer Spurensuche und Erkundungstechniken bis hin zu lyrisch-experimentellem Schreiben und Ansätzen persönlichen Biografierens reichten. Das Meer diente uns dabei als verbindendes thematisches Element beider Länder, als Symbol für Gedankenfreiheit und zugleich als Ort der Inspiration.

    Gegenüber

    Wenn ich auf’s Meer geh, und dort mehr seh‘

    als in den Grenzen der vier Wände,

    in denen ich mich sonst befände,

    dann heben sich die Schranken,

    die oft halten meinen Gedanken.

     

    Weit kam der Blick hinaus,

    kommt er zurück, spricht er sich aus.

    Nicht was ist gewesen, viel mehr was könnte sein,

    und lädt die Phantasie zum Spielen ein.  […]

     

    by Titus Ebersbach (Teilnehmer)

     

    Unsere polnischen Teilnehmer ließen es sich zudem nicht nehmen, für die Deutschen einen Polnischanfängerkurs zu veranstalten, in dem wir – nicht ohne Erfolg – von der charmanten Kontaktaufnahme (des versehentlich fallen gelassene Taschentuchs) bis hin zum Kinderlied „dzik jest dziki“ („Das Wildschwein ist wild“) einiges lernten.

    Angelegt in Szczecin an der Hakenterasse direkt unterhalb des Nationalmuseums unternahmen wir einen Rundgang durch die Stadt mit ihren vielen Gesichtern, um schließlich gemeinsam polnisch essen zu gehen: Pieroggi, Barszcz u.v.m. Während des Lyrik-Workshops am nächsten Morgen fanden sich die Stadt und ihre Eindrücke in unseren Gedichten wieder, aber leider ging die Zeit in Szczecin viel zu schnell vorüber.

    Kaum abgelegt war uns klar, dass wir uns bereits auf der Rückreise befanden: Nächster Stopp war Trzebież (früher: „Ziegenort“), ein kleiner Ort am Stettiner Haff, dessen Hafengelände sich als idealer Fußballplatz entpuppen sollte… Mit Sonnenaufgang ging es freitags weiter nach Karlshagen, wo wir 12 Stunden später fast mit Sonnenuntergang wieder festmachten. Unsere Reise näherte sich dem Ende.

    Für Samstag stand uns nur noch eine kurze Fahrt bis nach Greifswald bevor, dafür aber ein aufregender Abend, an dem wir im Museumshafen eine öffentliche Lesung mit den selbst verfassten Texten veranstalteten: das Wetter hielt, das Publikum fand sich am Kai ein und unsere deutsch-polnische Impro-Lesung mit gesungenen Liedern, gelesenen Texten, Theatereinschüben, Sprechgesang und Gitarreneinlagen wurde zu einem schönen Abschluss unserer Projektwoche!

     

    „Schreiben zwischen den Kulturen – eine deutsch-polnische Schreibwerkstatt auf dem Traditionssegler LOVIS“ vom 11. bis 18. September 2011 ist ein Projekt von MitOst e.V. (www.mitost.org) und dem Instytut Filologii Germańskiej der Universität Stettin und wird unterstützt vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (www.dpjw.org); Projektleitung: Hanna Gross, Katharina Molitor, Katarzyna Możuch.