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    Wir haben ein Schiff...

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    Eine ungewöhnliche FÖJ-Woche mit dem Bildungslogger unterwegs
    Von Luise Talbot

    Aus „DIE NORDELBISCHE“

    Eines haben meine tansanische FÖJ-Kollegin und ich, die ich aus Süddeutschland komme, gemeinsam: Wir haben noch nie eine Segeltour gemacht. Da ich im Bus nicht lesen kann und im Auto nicht gerne hinten sitze, war ich fest davon überzeugt, auf dem Schiff die berühmte Seekrankheit zu bekommen und wartete gespannt auf die ersten Anzeichen dafür. Zum Glück vergeblich.
    Der Name des Segelschiffs „Lovis“ hatte irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich. Wenn ich mich richtig erinnere, hieß so die Mutter der „Ronja Räubertochter“. Ich stellte mir vor, dass das Schiff uns schon beschützen würde. Als ich es dann betrat, konnte ich kaum glauben, dass hier über 30 Menschen wohnen konnten. Von außen sah es viel kleiner aus.
    Am ersten Abend bekam meine Kollegin Glory einen Anruf von einem Freund, der noch weniger Ahnung von Schiffen hatte als wir. Er wollte uns Angst einjagen, indem er uns erzählte, dass es in alten Schiffen spuke und wir mit gespenstischen Dingen rechnen sollten, wie dass mitten in der Nacht plötzlich der Boden unseres Zimmers voller Wasser sei. Wir lachten ihn aus, aber als wir früh am nächsten Morgen von unseren Hochbetten sprangen und tatsächlich in einer Wasserpfütze landeten, waren wir doch einen Moment lang starr vor Schreck. Aber das Rätsel lösten wir schnell: Das Wasser war von dem Fenster an der Decke herab getropft, wo sich die Feuchtigkeit aus unserer Atemluft absetzte.
    Die dreiköpfige Crew war uns allen gleich sehr sympathisch. Gerechnet hatte ich irgendwie mit älteren Seewölfen, deren Dialekt gerade für Süddeutsche kaum zu verstehen sein würde. Ich war also schon etwas beruhigt. Sie wiesen uns in unsere Aufgaben ein, sodass wir die Segel hissen oder einholen konnten und ich war stolz, als schon bald Begriffe wie „Piek“, „Klau“ und „Dirk“ ganz selbstverständlich in meinem Wortschatz vorhanden waren. Allerdings verwirrten mich die vielen Seile immer etwas, die rund um das Segel hingen und um ihre Funktion zu verstehen, versuchte ich deren Wege zu verfolgen wie bei diesen Irrgärten in den Rätselheften.
    Wir landeten an jedem Abend in einem anderen Hafen, zumeist dänischen, wo wir unterschiedlichste Landschaften erlebten. Die ersten paar Tage waren es auf den ersten Blick unbewohnte Landstriche mit idyllischen Sonnenuntergängen, sodass die Teamer uns schon auf einen Kulturschock vorbereiteten, als wir erstmals wieder eine Stadt ansteuerten. Das Thema unseres Seminars waren „Die vier Elemente“. Das Programm reichte von Navigationsmethoden über Land Art und eine Sternführung bis zu Arbeitsgruppen zu den Themen Piraten und Umweltpolitik. Die Kreativsten gestalteten hierzu passende Banner, die über Bord gehängt werden konnten. Es war zwar auf offener See nicht möglich unsere Botschaften einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren, es gelang uns aber, ein paar amerikanische Soldaten in Booten zumindest etwas zu verwirren.

    Luise Talbot ist gemeinsam mit Glory Godfrey Matoy für ein Jahr im FÖJ bei Landwege, Lübeck tätig.

    Originalartikel aus ‚Die Nordelbische‘ als PDF
    Foto: Talbot © DIE NORDELBISCHE | 14.6.2009 | AUSGABE 24 | Von Luise Talbot

    Weitere Infos unter:
    Nordelbisches Jugendpfarramt
    Am Koppelsberg 5

    24306 Plön

    Telefon 04522/507-0
    www.koppelsberg.de